Im Rahmen der im vorletzten Post beschriebenen Schülerinterviews hatte ich ein denkwürdiges Erlebnis. Der Vater einer Schülerin war sehr begeistert, dass ich ihn in seinem Haus besucht hatte (obwohl ich ja nur kurz da war, um Fotos
zu machen). Mir wurde übersetzt, dass er das Gefühl habe, Jesus selbst sei vom Himmel herab gekommen. Ich habe erst mal nicht genau verstanden, wie er es gemeint hatte. Aber er wusste, dass wir für eine christliche Organisation arbeiten, die ihm durch Mikrokredite geholfen hat sein Reisfeld anzubauen und ein kleines Haus zu finanzieren. Mich und Jesus hat er damit verbunden. So habe ich es versucht einzuordnen.
Als ich dann zurück an der Dorfschule war und im Büro des Managers saß, tauchte dieser Vater plötzlich wieder auf. Er hatte eine Tüte mit ca. einem Kilo Reis, die er mir übergab und dabei hervorhob, wie wichtig für ihn mein Besuch war. Er bestand darauf, dass ich unbedingt den Reis mit nach Deutschland nehmen müsse. Und ich sollte meine Technologien für sein Reisfeld mitbringen und ihm helfen. Der Manager erklärte mir, dass er von mir Segen erhoffe für seinen Betrieb. So wie man einem Hindu-Priester (ähnlich einem Gott) Geschenke macht, damit man gesegnet ist – so würde er mir ein Geschenk machen. Der Mann glaubte an die Macht dieses Geschenkes, aber ich müsse es eben wirklich mitnehmen, damit der Segen wirkt. Ragaland, der Manager spasste, dass ich dann natürlich auch verantwortlich wäre, wenn es eine Missernte gibt.
Der Glaube daran, dass die Götter zornig sind und man sie mit Geschenken besänftigen muss um gesegnet zu werden, begegnet man hier täglich. Segen und Fluch hängt für viele Menschen hier davon ab, welche Opfer man darbringt, bis hin zu Tieropfern. Ganz selten gibt es auch noch Tempelprostitution – obwohl dies gesetzlich untersagt ist. Was mich in diesem Fall verunsichert hat war, dass ich plötzlich Teil dieses Systems wurde – ohne es zu wollen. Wohlstand, Hautfarbe und Göttlichkeit sind so eng verknüpft, dass es in manchen Häusern reicht wenn man als weißer Mann aus dem Westen kurz zu Besuch kommt, um für einen Halbgott gehalten zu werden.
Ich werde zumindest einen Teil des Reises mit nach Hause nehmen. Und den Mann segnen: “The Gods aren’t angry!”.